Kleine Führung durch die Herrlichkeit Lage

         

Die evangelisch reformierte Kirche der Herrlichkeit Lage

Unmittelbar nach dem Bau des Herrenhauses erfüllte Amadea van Flodroff das Vermächtnis ihres Mannes, Adolf Hendrik van Raesfelt, der 5 Jahre zuvor gestorben war, in dem sie in Lage eine Kirche errichten ließ. Sie wurde als Saalkirche aus Ziegelsteinen erstellt, Tür- und Fensterrahmen bestehen aus Bentheimer Sandstein. Die Inschrift über dem Westeingang erinnert an die Grundsteinlegung am 11. Juni 1687. Darüber befindet sich das Wappen von Lage, ein Antoniterkreuz (Crux Commissa) in Form eines griechischen T.

Über dem Südeingang findet man ein Wappen, das Symbole der Familien van Raesfelt und van Flodroff zeigt. Diese Familien und ihre Nachkommen spielen in der Lager Geschichte eine wichtige Rolle. Die lateinische Inschrift weist auf die Entstehungsgeschichte der Kirche hin:

“Zum Ruhme der Allerheiligsten Dreieinigkeit und zur Verbreitung des göttlichen Wortes, hat Amadea geborene Gräfin van Flodroff usw., Witwe von Adolf Hendrik Baron van Raesfelt, Herr von Lage und Twickel usw., zu Lebzeiten Drost der Twenter, dieses Gebäude gestiftet und aus eigenen Mitteln erbauen lassen. Im Jahr des Herrn Christus 1687. 3. Juni.”

Die Baukosten beliefen sich auf 5.440 Gulden und 16 Stuiver. Ein Schreinermeister und seine beiden Knechte bekamen damals pro Tag zusammen einen Gulden.  In einer Gedächtnisschrift erklärte Amadea van Flodroff sich bereit, Kirche und Pastorat zu unterhalten. Sie forderte ihre Nachkommen auf, die Gemeinde sowie die Lehre und das Leben der Pfarrer im Auge zu behalten, damit in Lage das reformierte Bekenntnis unangefochten von “antichristlichen” Erscheinungen gelehrt werde. Das Patronat beinhaltete z. B. auch ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Pfarrer. Es ging später auf die Familie van Heeckeren van Wassenaer über und bestand bis 1978. Dann wurde es einvernehmlich aufgelöst.

Die Lager Kirche war immer ein reformiertes Gotteshaus. In der Burg soll es vorher eine Kapelle gegeben haben, in der bis zur Zerstörung (1626) katholische Gottesdienste abgehalten wurden.

Die Kanzel im Inneren der Kirche steht auf einem Steinfuß und wurde 1688 aus dem allerbesten Eichenholz gefertigt. Wahrscheinlich hat sie bis vor etwa 160 Jahren an der Nordseite der Kirche gestanden. Bis zur Renovierung der Kirche im Jahr 1977 befand sich links neben der Kanzel der „Herrensitz“. Er wurde anlässlich der Renovierung ausgebaut. Er befindet sich heute in der evangelische Kirche von Delden. Ein Opferstock wurde vom Heimatverein angekauft.

Die Orgel hat ein Manual und zehn Register. Sie stammt aus dem Jahr 1856 und wurde 1979 renoviert.

Eine der Votivtafeln in der Kirche erinnert an Marie Cornélie van Wassenaer, eine der Nachkommen der Amadea von Flodroff. Seit ihrer Heirat mit dem Baron Jacob Derk Carel van Heeckeren im Jahr 1831 änderte sich der Name der Herrenfamilie in van Heeckeren van Wassenaer. Das Gedicht auf der Tafel stammt übrigens von dem damaligen Wilsumer Pastor Visch, der die bekannte „Geschiedenis van het Graafschap Bentheim“ hinterlassen hat. Seine Tochter war verheiratet mit dem seinerzeit amtierenden Pastor Sluyter. Eine Grabplatte an der Nordseite der Kirche erinnert an sie.

Ferner findet man eine Tafel zum Gedenken an Adriana Sophia van Raesfelt aus dem Jahr 1694, eine weitere mit den zehn Geboten, gestiftet von Lucas Groll im Jahr 1691, sowie eine mit den 12 Glaubensartikeln, gestiftet von Jan Meylinck im selben Jahr.

Die ältere der beiden Glocken, die durch einen Dachreiter geschützt sind, stammt aus dem Jahr 1928. Die jüngere wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg beschafft, als Ersatz für eine Glocke, die während des Krieges abgeliefert werden musste.

Weitere Grabsteine an der äußeren Nordseite der Kirche erinnern u. a. an Verstorbene der Familie Wiedenbrugh, die im 17. Jahrhundert einen der Lager Rentmeister stellte und der einmal das Gebiet „Zegers Höffte“ gehörte.